Insolvenzverfahren in Dänemark

Es ist in Dänemark relativ einfach, ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Trotzdem sollte man sich über die rechtlichen Auswirkungen sowie die relevanten Fristen eines solchen Verfahrens in Dänemark erkundigen. Bei NJORD arbeiten dänische Rechtsanwälte, die Ihnen bei weiteren Fragen über das Insolvenzverfahren in Dänemark helfen können.

Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens kann in Dänemark gestellt werden, wenn ein Schuldner seine Schulden bei Fälligkeit nicht tilgen kann, es sei denn, die Zahlungsunfähigkeit ist lediglich vorübergehender Natur.

Man geht in der Regel von einer Zahlungsunfähigkeit aus, wenn der Schuldner die Zahlungsunfähigkeit anerkennt, wenn er seine Zahlungen eingestellt hat oder wenn eine Pfändung innerhalb der letzten drei Monate vor Eingang des Insolvenzantrags beim Insolvenzgericht erfolglos geblieben ist.

Der Gläubiger kann in Dänemark keinen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen, wenn

  • seine Forderung durch ausreichende Grundpfandrechte am Eigentum des Schuldners gesichert ist,
  • seine Forderung durch ausreichende Pfandrechte eines Dritten gesichert ist, und der Insolvenzantrag gegen die Bedingungen der Sicherheitsleistung verstößt oder
  • seine Forderung nicht fällig ist und vom Dritten gesichert ist, oder vom Dritten eine Sicherheit angeboten wird

Die Anmeldung von Forderungen im Insolvenzfall erfolgt gegenüber dem Insolvenzverwalter (“kurator”).

Die Gerichtsgebühren bei Antragsstellung in Dänemark betragen DKK 750. Darüber hinaus verlangt das Insolvenzgericht normalerweise eine Sicherheitsleistung für die mit dem Insolvenzverfahren verbundenen Kosten in Höhe von DKK 20.000 – DKK 30.000.

Das dänische Insolvenzgericht (“skifteret”) versucht – soweit möglich – innerhalb von drei Tagen nach Empfang des Insolvenzantrages einen Termin zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens anzuberaumen. In diesem Termin wird ein vorläufiger Insolvenzverwalter ernannt, der lediglich unaufschiebbare Entscheidungen trifft und die anfängliche Registrierung von Aktiva und Passiva der Insolvenzmasse vornimmt. Nach der Insolvenzeröffnung wird im dänischen Staatsanzeiger (“Statstidende”) und durch Rundschreiben an die bekannten Gläubiger zur ersten Gläubigerversammlung einberufen.

Die erste Gläubigerversammlung wird in Dänemark spätestens drei Wochen nach Bekanntmachung der Insolvenz abgehalten; auf dieser Gläubigerversammlung werden endgültig ein oder mehrere Insolvenzverwalter und eventuell ein Gläubigerrat, der lediglich eine Kontrollfunktion hat, gewählt.

Es sind die Gläubiger, die die Wahl des endgültigen Insolvenzverwalters vornehmen und eventuell über einen Gläubigerrat beschließen.

Der Insolvenzverwalter ist hiernach dafür verantwortlich, dass die Insolvenzmasse im Interesse der Gläubiger verwaltet und das Insolvenzverfahren abgeschlossen wird.

Jeder Gläubiger muss gegenüber dem Insolvenzverwalter seine Forderung anmelden und belegen, wonach der Insolvenzverwalter die Berechtigung der angemeldeten Forderung prüft.

Falls der Insolvenzverwalter eine angemeldete Forderung nicht anerkennen kann, wird die Forderung vom dänischen Insolvenzgericht geprüft.

Der Insolvenzverwalter fordert durch ein Rundschreiben alle bekannten Gläubiger auf, ihre Forderungen anzumelden. Die Aufforderung zur Abgabe der Forderungsanmeldung wird ebenfalls im dänischen Staatsanzeiger (“Statstidende“) veröffentlicht.

Gemäß der dänischen Insolvenztabelle werden Forderungen in folgender Rangordnung gezahlt:

  1. Kosten des Insolvenzantrages (Gerichtsgebühr DKK 750,- zzgl. etwaiger Rechtsanwaltskosten),
  2. Kosten der Insolvenzverwaltung,
  3. Schulden, die durch das Insolvenzverfahren entstehen, z.B. aufgrund der Weiterführung des Betriebes,
  4. angemessene Kosten, die in Verbindung mit dem Versuch einer Rekonstruktion entstehen,
  5. andere Verbindlichkeiten, die der Schuldner nach dem Fristtag mit Zustimmung des Insolvenzverwalters auf sich genommen hat,
  6. angemessene Kosten, die im Zusammenhang mit einer begonnenen Gesellschaftsliquidation entstanden sind,
  7. etwaige Gerichtsgebühren,
  8. Lohn, Urlaubsgeld und ähnliche Arbeitnehmerforderungen,
  9. gewisse Verbrauchsabgaben,
  10. alle übrigen nichtbevorrechtigten Forderungen ausschl. Zinsen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens, Geldstrafen, Vertragsstrafen usw.

Wenn alle Aktiva verwertet, alle Guthaben eingezogen und alle Streitfälle entschieden sind, erstellt der Insolvenzverwalter abschließend einen Bericht nebst Schlussbilanz, der dann von einer abschließenden Gläubigerversammlung genehmigt werden muss.

Wenn der Bericht und Schlussbilanz des Insolvenzverwalters genehmigt worden ist, kann der Insolvenzverwalter an die Gläubiger auskehren.

Stand: Februar 2016