Unternehmensbesteuerung in Dänemark

Gewerbliche Tätigkeiten in Dänemark unterliegen der Unternehmensbesteuerung, wenn durch die Tätigkeit in Dänemark eine steuerliche „Betriebsstätte“ begründet wird. Auch ohne die Begründung einer Betriebsstätte kann bei Arbeitnehmerüberlassung eine Besteuerung in Dänemark in Frage kommen. Bei uns arbeiten dänische Rechtsanwälte, die sich mit der Unternehmensbesteuerung nach dänischem Recht auskennen.

Feste Betriebsstätte in Dänemark

Eine feste Betriebsstätte – und damit eine Steuerpflicht in Dänemark – entsteht in der Regel immer dann, wenn in Dänemark Geschäftsräume für die Tätigkeit eingerichtet werden.

Eine Betriebsstätte entsteht aber nicht schon durch:

  • Einrichtungen, die ausschließlich zur Lagerung, Ausstellung oder Auslieferung von Waren benutzt werden,
  • Geschäftseinrichtungen, die ausschließlich zum Einkauf von Waren oder zur Beschaffung von Informationen für das Unternehmen genutzt werden,
  • Geschäftseinrichtungen, die ausschließlich der Werbung, der Erteilung von Auskünften oder der Ausübung ähnlicher Tätigkeiten dienen, und
  • Bautätigkeiten von unter 12 Monaten.

„Bautätigkeiten“ umfassen in dem Sinne über die Errichtung von Gebäuden hinaus ebenfalls Straßenbau- und Erdarbeiten sowie Montagearbeiten in der Industrie.

In vielen Fällen dauern Bautätigkeiten weniger als 12 Monate, und es entsteht keine steuerpflichtige Betriebsstätte. Bei Großprojekten wird meistens schon aus Gründen der Haftungsbeschränkung eine eigene Tochtergesellschaft in Dänemark gegründet, die dann auch in Dänemark steuerpflichtig ist.

Bei der Beurteilung der Frage, ob eine steuerpflichtige Betriebsstätte vorliegt, wird grundsätzlich jede einzelne gewerbliche Tätigkeit für sich allein beurteilt. Wenn allerdings ein finanzieller oder geografischer Zusammenhang zwischen den Tätigkeiten besteht (z.B. bei der Errichtung einer Reihenhaussiedlung), gilt dies als eine zusammenhängende Tätigkeit. Unterbrechungen der gewerblichen Tätigkeit aus Urlaubs- oder Witterunggründen etc., bewirken nicht, dass die Frist von 12 Monaten aufs Neue beginnt.

In einigen Fällen kann eine steuerliche Betriebsstätte auch dann vorliegen, wenn die gewerbliche Tätigkeit weniger als 12 Monate dauert und auch keine Geschäftseinrichtung in Dänemark besteht. Dies gilt, wenn das Unternehmen in Dänemark einen festen Vertreter mit Vertragsabschlussvollmacht hat, d.h. eine Person, die im Namen des Unternehmens Verträge in Dänemark abschließt. Auch dies wird dann im steuerrechtlichen Sinne als eine „Betriebsstätte” angesehen.

Vertiefender Hinweis:

Die genauen Vorschriften über Betriebsstätten ergeben sich aus Art. 5 des deutsch-dänischen Doppelbesteuerungsabkommens. Unter www.dba-tyskland.info findet sich ein kostenloser Kommentar zum deutsch-dänischen Doppelbesteuerungsabkommen in deutscher Sprache.

Im Verhältnis zu Österreich ergeben sich die Regelungen ebenfalls aus Art. 5 des dänisch-österreichischen Doppelbesteuerungsabkommens: http://www.ris.bka.gv.at

Allgemeines zur dänischen Unternehmensbesteuerung

Eine Unternehmensbesteuerung erfolgt in Dänemark, wenn eine gewerbliche Tätigkeit durch eine feste Betriebsstätte oder durch eine dänische Tochtergesellschaft ausgeübt wird.

Dänemark kennt keine Gewerbesteuern. Die allgmeine Unternehmenssteuer ist eine staatliche Steuer. Sie beträgt 2016 22 % des Unternehmensgewinns.

Für die Zulässigkeit von Steuerabzügen gilt eine Sonderegelung zur Verhinderung von Schwarzzahlungen. Für Rechnungen ab DKK 10.000 (€ 1.350), die mit Bargeld oder mit Scheck bezahlt werden, wird nur dann ein Steuerabzug gewährt, wenn die Zahlung der Steuerbehörde (“Skat”) auf ihrer Webseite (www.skat.dk) elektronisch angezeigt wurde.

Praktischer Hinweis:

Auf der Webseite der Steuerbehörde („Skat“) gibt es einige relevante Auskünfte und Belehrungen zur Steuerfragen in deutscher Sprache: www.skat.dk

Auf Englisch ist das Informationsangebot noch umfassender: www.skat.dk

Besteuerung bei Arbeitnehmerüberlassung

Dänemark hat eine ungewöhnliche Regelung für entsandte Arbeitnehmer ausländischer Unternehmen, die für in Dänemark ansässige Unternehmen Tätigkeiten ausführen. In vielen Fällen betrachten die dänischen Behörden diese Entsendung als „Arbeitnehmerüberlassung“ mit der Folge, dass in Dänemark eine Steuerpflicht entsteht, obwohl gar keine Betriebsstätte im Sinne des Doppelbesteuerungsabkommens vorliegt.

Nach der dänischen Regelung liegt nämlich schon dann ein Fall von Arbeitnehmerüberlassung vor, wenn ein dänisches Unternehmen die Arbeitgeberfunktionen gegenüber den Arbeitnehmern des nach Dänemark entsendenden Unternehmens wahrnimmt

Es gilt hier eine Beweislastumkehr, wenn die Tätigkeiten, die das ausländische Unternehmen in Dänemark ausführt, „einen integrierten Bestandteil” der Betriebstätigkeit des dänischen Bauunternehmens darstellen. Der Begriff „integrierter Bestandteil“ ist im Gesetz nicht eindeutig festgelegt und bewusst weit gefasst.

Die Folge einer „Arbeitnehmerüberlassungsbesteuerung“ ist eine 30%-ige Bruttosteuer auf das Gehalt der betroffenen Arbeitnehmer. Außerdem muss die dänische Arbeitsmarktabgabe („AM-bidrag“) in Höhe von 8 % bezahlt werden.

Ein Berechnungsbeispiel für einen in Dänemark tätigen Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von DKK 20.000 (€ 2.700) ergibt beispielsweise folgende Steuerverpflichtungen:

  1. Arbeitsmarktabgabe (8 % von DKK 20.000) = DKK 1.600 (möglicherweise kann der deutsche/österreichische Sozialversicherungsbeitrag gegengerechnet werden)
  2. Arbeitnehmerüberlassungssteuer (30 % von (DKK 20.000 – DKK 1.600) = DKK 5.520 (740 € )
  3. Effektive Steuer = 35,6 % = DKK 7.120 (955 €)

Die Arbeitnehmerüberlassungsbesteuerung greift jedoch nicht bei Subunternehmerverträgen ein, wenn diese von der dänischen Steuerbehörde als „selbständige Subunternehmerverträge“ angesehen werden. Die dänische Steuerbehörde kann ersucht werden, eine verbindlichen Voreinschätzung mit dazugehöriger Stellungnahme durchzuführen, wenn ihr ein Vertragsentwurf vorgelegt wird. In der Regel müssen jedoch vom deutschen/österreichischen Unternehmen mindestens folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Das ausländische Unternehmen setzt nur eigene Angestellte für die Tätigkeiten ein; dabei muss auch vertraglich festgelegt werden, dass der dänische Vertragspartner über die Anzahl und Qualifikationen der erforderlichen Mitarbeiter nicht entscheiden darf.
  • Die betreffenden Tätigkeiten werden im eigenen Namen und auf eigene Rechnung ohne Beeinflussung oder indirekte Steuerung durch den dänischen Auftraggeber durchgeführt.
  • Die betreffende Tätigkeit ist von den sonstigen Aufgaben des Auftraggebers deutlich abzugrenzen.
  • Das ausländische Unternehmen muss sein eigenes Material und seine eigene Maschinen etc. einsetzen.

Praktischer Hinweis:

Wegen der Arbeitnehmerüberlassungssteuer ist eine steuerrechtliche Beratung unbedingt zu empfehlen!

Umsatzsteuer in Dänemark

Grundsätzlich besteht eine Registrierungspflicht zur Erhebung der Umsatzsteuer, wenn Unternehmen in Dänemark Dienstleistungen oder Waren verkaufen. Der Umsatzsteuersatz in Dänemark beträgt 25 %.

Selbst wenn ein Unternehmen in Dänemark keine „feste Betriebsstätte“ hat (siehe oben), sind die vom Unternehmen in Dänemark erbrachten Leistungen grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig.

Für Tätigkeiten ausländischer Unternehmen ohne steuerpflichtige Betriebsstätte in Dänemark gilt allerdings der Grundsatz des „reverse charge“ („Umkehrung der Steuerschuld”). Dieser Grundsatz bedeutet, dass nicht der ausländische Unternehmer, sondern der dänische Auftraggeber die Umsatzsteuer abzurechnen hat.

Voraussetzung für die Anwendung der Steuerschuldumkehrung ist, dass das ausländische Unternehmen in Dänemark keine anderen Aktivitäten ausübt, die umsatzsteuerpflichtig sind, das heißt z.B. keine Verkäufe an Privatpersonen tätigt.

In der Praxis bedeutet die Umkehrung der Steuerschuld, dass die Rechnung des ausländischen Unternehmers für die Tätigkeit in Dänemark ohne dänische Umsatzsteuer auszustellen ist. Dafür muss aber die USt.-Id.-Nummer („momsnummer“) des dänischen Auftraggebers in der Rechnung angegeben sein. Die Rechnung sollte weiterhin den Hinweis enthalten: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers” oder auf Englisch: „The sale is subject to reverse charge. The recipient is liable for the VAT”.

Praktischer Hinweis:

Auf der Webseite der Steuerbehörde („Skat“) gibt es einen ausführlichen deutschsprachigen Beitrag zu Umsatzsteuerfragen: www.skat.dk

Stand: Februar 2016